Sitemap SitemapSuche SucheKontakt Kontakt

Projektunterricht der Allgemeinbildung

Wie es zum PU kam

Als Anfang 1996 feststand, dass die HTL-Braunau am Schulversuch "Reife- und Diplomprüfung im HTL-Schulwesen" teilnehmen wird, fand sich eine Gruppe von Lehrer/ innen aus dem Bereich der Allgemeinbildung, die die Möglichkeiten von Projektunterricht für die Fächer Englisch, Deutsch, Geschichte und Religion ausloten wollte. Eine Reihe von Vorbereitungssitzungen diente der theoretischen Grundlegung des PUs. Als unser Ziel formulierten wir:

Schüler sollen durch den PU selbstständiger arbeiten lernen und sich intensiver und interessensgeleiteter mit den jeweiligen Themen auseinander setzen.

Schlüsselqualifikationen wie Teamfähigkeit, Selbstkompetenz und soziale Kompetenz kann man wohl nur schwerlich in der Theorie lernen. Daher muss "learning by doing" die Unterrichtsmaxime heißen und die Gewähr leistet der Projektunterricht allemal. Klar ist uns, dass diese Unterrichtsform nicht das Allheilmittel für antriebs- und motivationsschwache SchülerInnen ist, aber eine Chance, die eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten auszuloten und auszuprobieren, ist der Projektunterricht für engagierte LehrerInnen und SchülerInnen auf jeden Fall.

Die Struktur des PU

Zunächst einmal wird der Klassenverband in vier Gruppen aufgeteilt, die an einem  Tag pro Woche "zusammengeschweißt" vier Unterrichtseinheiten an einem Projektthema arbeiten. Jedes der teilnehmenden Fächer (R, D, E, GSK) gibt eine Stunde für den Projektunterricht ab. Für jedes Fach stehen fünf Wochen zur Verfügung , in denen die Kleingruppen mit unterschiedlichen Methoden ("Literatursuche und -studium" in Bibliotheken, Befragungen, Interviews,.....) sich einem Thema nähern. Die Lehrerin/der Lehrer spielt dabei die Rolle eines Vermittlers zwischen Lernendem und Informationsquelle. Der Lehrende soll nicht einfach Wissen vermitteln, sondern den Lernenden Mittel und Wege zeigen, wie sie selber ein Thema aufbereiten können.

Am Ende der fünf Wochen müssen die Ergebnisse der Gruppenarbeit vorgestellt werden, wobei die Schüler/innen sich vielfältiger Präsentationstechniken bedienen müssen: Gestaltung von Overheadfolien, Layout einer Broschüre, Beachtung rhetorischer Grundlagen, richtiger Einsatz von Mimik und Gestik, Aufteilung der einzelnen Rollen bei der Gruppenpräsentation, Einsatz von Videosequenzen ,.... Wesentlich ist, dass es gelingt, die Scheu vor einem "Auftritt" abzulegen und vor Publikum die Ergebnisse darzustellen.

Neben der Präsentation erarbeiten die Schüler/innen auch eine schriftliche Zusammenfassung (eine Dokumentation, einen Folder, eine Wandzeitung....). Ein Informationsgespräch des Betreuers/der Betreuerin mit den jeweiligen SchülerInnen dient der Beurteilung der Projektarbeit.

Erste Ergebnisse

  1. Der Schulversuch wurde von den Schüler/innen gut angenommen
    84 % der Schüler sind mit dem Projektunterricht zufrieden bzw. 80 % finden ihn interessant, ein 82 % plädieren für seine Fortführung. 
  2. Der Bereich des selbstständigen Arbeitens und der Teamarbeit wurde gegenüber dem bisherigen Unterricht deutlich gestärkt
    Die Arbeit in Gruppen hat im Großen und Ganzen gut funktioniert: Teilweise kam es in einzelnen Gruppen zu Schwierigkeiten bei der Arbeitsteilung. Besonders bei der Präsentation der Ergebnisse am Schluss eines Fünf-Wochen-Zyklus wurde die umfangreiche Arbeit der Schüler deutlich.
  3. Eine Reihe von ausgezeichneten Projektergebnissen entstanden
    Neben den durchwegs gelungenen Präsentationen haben einzelne Gruppen sehr interessante Arbeiten vorgelegt: eine CD-ROM wurde erstellt, mehrere Videofilme wurden gedreht (inklusive Drehbucherstellung), eine große Anzahl von Broschüren wurde erarbeitet, jede Gruppe erstellte einen schriftlichen Projektbericht. In einigen Fällen wurde durch Hereinnahme von Werbungen die Kosten der Projektarbeit selbst finanziert.
  4. "Öffnung" der Schule
    Wichtig ist uns auch die "Öffnung" der Schule, die durch den Projektunterricht geschieht: Experten (z.B.: Streetworker) wurden zu Diskussionsrunden geladen, öffentliche Einrichtungen (Arbeitsmarktservice, Sozialabteilung der Stadt Braunau, Bewährungshilfe,..) wurden erkundet, Kontakte zu Absolventen unserer Schule wurden hergestellt,....
  5. Eine Reihe von organisatorischen Problemen war (und ist) zu bewältigen:
    • "Aufsicht": Die Schüler sind jeweils nur in einer der vier Stunden in der "Obhut" ihres/ ihrer betreuenden Lehrers/Lehrerin. Während der übrigen drei Stunden sind sie nicht im herkömmlichen Sinn beaufsichtigt, Aufenthaltsort, Grund und Dauer der Abwesenheit sind aber bekannt zu geben; ob und wie intensiv sie gearbeitet haben, ist nur indirekt über das Resultat in der nächsten Stunde zu eruieren.
    • "Informationsbeschaffung": Schwierig war für die Lehrer/innen und für die Schüler/innen die Beschaffung von Literatur. Weder die Schul- noch die Stadtbibliothek sind für umfangreichere Projektarbeiten ausreichend ausgestattet, Internetrecherchen waren aus Platzgründen nur eingeschränkt möglich, die Fahrten zur Universitätsbibliothek nach Salzburg gestalte(te)n sich sehr Zeit raubend.
    • "Koordination": Sehr zeitaufwändig ist die Koordination zwischen den KollegInnen. Mehrere Konferenzen und eine mehrstündige Besprechung zu Beginn jedes Turnus stellten eine große Belastung für die einzelnen KollegInnen dar. Problematisch ist sicherlich eine gewisse "Selbstausbeutung" der KollegInnen, da wesentliche Voraussetzung für den Schulversuch die Kostenneutralität ist, die Projekte jedoch eine über den normalen Unterricht hinausgehende Vorbereitung voraussetzen.

Mag. Anton Planitzer

Projektunterricht Allgemeinbildung

Allgemeinbildung