Nachhaltige Forschung mit Zukunft
Diplomarbeiten im Schwerpunkt „Bionics and Bioengineering“ an der HTL Braunau

Innovativ, praxisnah und ressourcenschonend zeigen die aktuellen Diplomarbeitsprojekte im schulautonomen Schwerpunkt „Bionics and Bioengineering“ der HTL Braunau eindrucksvoll, wie junge Forscherinnen und Forscher Lösungen für die Herausforderungen von morgen entwickeln. Von sauberem Wasser über erneuerbare Energie bis hin zur modernen Genanalyse steht dabei eines im Mittelpunkt: Nachhaltigkeit.
Die „Blackout-Lampe“ ist ein besonders visionäres Projekt, welches sich dem natürlichen Leuchten von Organismen widmet und von Andreas Scherfler betreut wird. Die beiden Schülerinnen Celine Dreiblmeier und Anja Kücher erforschen, wie Pilze und Bakterien zur Biolumineszenz fähig sind und künftig als umweltfreundliche Lichtquellen genutzt werden könnten. Ihr Ansatz verspricht eine Alternative zu stromintensiver Beleuchtung an Straßen und Unterführungen und würde langfristig auch Elektroschrott reduzieren.
Nachhaltige Technik und einfache Bedienbarkeit
Einen direkten Beitrag zur globalen Wasserversorgung leistet das Projekt „ClearFlow“. Abel Hiticas und Veronika Nikolova kombinieren natürliche Filtermaterialien wie Zellulose, Hülsenfrüchte oder Chiasamen mit moderner Steuerungstechnik. Das Ergebnis ist ein selbstreinigendes, wartungsarmes Filtersystem, das besonders in ressourcenarmen Regionen eingesetzt werden könnte und dort Trinkwasser kostengünstig und nachhaltig zur Verfügung stellt.
Ein weiteres Beispiel für nachhaltige Innovation liefern Jana Pfeiffer und Max Schneeberger mit ihrer „Microbial Fuel Cell“. Mithilfe von Bakterien erzeugen sie Strom aus organischen Abfällen – CO₂-neutral und ohne fossile Brennstoffe. Damit verbinden sie Abfallverwertung und Energiegewinnung auf zukunftsweisende Art.
Betreuer Bernhard Schmeitzl zeigt sich beeindruckt: „Unsere Schülerinnen und Schüler beweisen hier, dass nachhaltige Technik und einfache Bedienbarkeit kein Widerspruch sind. Die beiden Projekte „ClearFlow“ und „Microbial Fuel Cell“ zeigen eindrucksvoll, wie praxisnahe Lösungen für reale Probleme entstehen.“
Verbraucherschutz wird groß geschrieben
Auch im Bereich Verbraucherschutz setzen die Schülerinnen und Schüler Akzente. Mayssa Ghoul und Milana Sredić untersuchen mithilfe molekularbiologischer Methoden, wie gefälschter Honig eindeutig als solcher erkannt werden kann. Ihre Arbeit unter Betreuung von Benjamin Seeburger stärkt regionale Imkerbetriebe und trägt massiv zur Transparenz im Lebensmittelhandel bei.
Effizienz im Labor
Im Projekt „Luminacell – Biostim“ entwickelten die beiden Schülerinnen Viola Vorhauer und Gesine Wollboldt unter Betreuung von Bernhard Schmeitzl ein Gerät zur beschleunigten Zellkultivierung. Durch gezielte Lichtimpulse werden Wachstumsprozesse optimiert, wodurch Forschungszeiten verkürzt und Ressourcen im Labor eingespart werden können.
In eine ähnliche Richtung geht das Projekt von Lukas Wranik, der die Keimzahlbestimmung in Petrischalen automatisiert und mithilfe der Digitalisierung zur Nachhaltigkeit beiträgt. Mithilfe einer Kamera und selbst entwickelter Software reduziert er den Zeitaufwand für die Bestimmung und minimiert dabei auch noch Fehlerquellen. Deshalb werden Laborressourcen effizienter genutzt und in kürzerer Zeit sind mehr Forschungseinheiten möglich.
Mit genetischer Vielfalt beschäftigen sich Leonie Blantz und Lilly Janiczek in ihrer SNP-Analyse. SNPs sind kleine Veränderungen in der DNA, die in Relation zu Eigenschaften wie Koffeinunverträglichkeit, Schlafverhalten oder Medikamentenverträglichkeit stehen. Sie verbinden Laboruntersuchungen mit Fragebögen und achten dabei bewusst auf sparsamen Chemikalieneinsatz sowie digitale Dokumentation. So zeigen sie, dass auch anspruchsvolle Genforschung nachhaltig umgesetzt werden kann.
„Uns ist wichtig, Genetik verständlich zu erklären und zu zeigen, dass solche Analysen auch im Schulkontext gut durchführbar sind. Da gehört natürlich auch das regelmäßiges Arbeiten mit Laborgeräten, eine präzise Arbeitsweise und der sterile Umgang im Labor zum Laboralltag mit dazu“, erklärt Leonie Blantz. Dies erweist sich z.B. bei einem späteren Studium im Bereich Medizin, Molekularbiologie oder Lebensmitteltechnologie als Vorteil, denn Grundlagenpraktika werden oftmals angerechnet und ein Einstieg in ein höheres Semester ist möglich.
Natürliches Antibiotikum?
Ergänzt werden die Projekte der Bioniker:innen durch die Arbeit von Jan Halbschmidt und Oskar Moser, die nach neuen Antibiotika suchen. Aus Waldboden, Schimmelpilzen und anderen natürlichen Proben gewinnen sie mikrobiell wirksame Substanzen, extrahieren diese und analysieren ihre Wirkung gegen Krankheitserreger. Angesichts zunehmender Antibiotikaresistenzen könnte ihre Forschung langfristig einen wichtigen Beitrag zur Medizin leisten – ebenfalls auf Basis natürlicher Ressourcen.
Betreuer Benjamin Seeburger betont die gesellschaftliche Bedeutung: „Gerade im Bereich Honiganalyse und Antibiotikaforschung sehen wir, wie wichtig solide naturwissenschaftliche Grundlagen sind. Die Schülerinnen und Schüler arbeiten hier bereits auf einem Niveau, das an universitäre Forschung heranreicht.“
Gemeinsam zeigen all diese Diplomarbeiten, wie eng moderne Wissenschaft, Umweltbewusstsein und technisches Know-how an der HTL Braunau miteinander verknüpft sind. Die Schülerinnen und Schüler lernen nicht nur, komplexe Probleme zu analysieren, sondern auch verantwortungsvoll mit Materialien, Energie und Daten umzugehen.
Auch Direktorin Gerda Schneeberger zeigt sich stolz: „Es erfüllt mich mit großer Freude zu sehen, wie viele innovative Ideen im Schwerpunkt Bionics and Bioengineering jedes Jahr entstehen. Unsere Schülerinnen und Schüler sind bei Wettbewerben regelmäßig erfolgreich und beweisen, dass die HTL Braunau zu den führenden Ausbildungsstätten in diesem Bereich gehört.“
Der Schwerpunkt „Bionics and Bioengineering“ beweist damit eindrucksvoll, dass nachhaltige Forschung nicht erst an Universitäten beginnt, sondern bereits in der Schule. Mit Kreativität, Engagement und wissenschaftlicher Präzision gestalten die Maturantinnen und Maturanten schon heute Lösungen für die Welt von morgen.